Der schmale Grat zwischen Abnehmen und Zunehmen

Wir haben eben davon gesprochen, dass man automatisch abnimmt, und dass das Einzige, was diesem automatischen Abnehmen entgegensteht, die Nahrungsmittelaufnahme, also das Essen, ist.

Ich möchte kurz vor Augen führen, wie wenig dazugehört, mit diesem Wissen erfolgreich und auf Dauer abzunehmen:

Stelle Dir einen Menschen vor, der vor 5 Jahren sein Wunschgewicht hatte, z.B. 80 Kilo. Heute, nach fünf Jahren, hat dieser Mensch nun ein Körpergewicht von 130 Kilo. Er hat also 50 Kilogramm zugenommen. Ärzte würden sagen, er sei massiv adipös, fettsüchtig, und jeder andere Mensch würde diesen Menschen als extrem dick bezeichnen.

Aber hat dieser Mensch tatsächlich so viel mehr gegessen, als ein vergleichbarer anderer Mensch, der in den selben 5 Jahren sein Wunschgewicht von 80 Kilogramm beibehalten hat? Was bedarf es, damit ein Mensch in 5 Jahren 50 Kilogramm zunimmt?

50 Kilogramm in 5 Jahren entspricht 10 Kilogramm pro Jahr. Geteilt durch 365 Tage pro Jahr sind das gerade mal 27 Gramm Gewichtszunahme pro Tag. Bezogen auf unsere 500 Gramm, die ein Mensch jeden Tag automatisch abnimmt, kann man sagen, dass dieser stark übergewichtige Mensch lediglich 5% mehr gegessen hat, als derjenige, der nach wie vor seine Traumfigur innehat.

Stelle Dir eine Pizza vor. Diese teilst Du in acht Stücke. Eines dieser Achtelstücke halbierst Du nochmal und erhälst einen dünnen Streifen Pizza, ein Mini-Probierstück.

Pizzastück

Dieser dünne Streifen ist sogar noch mehr als 5% der ganzen Pizza. Nur dieses kleine Stück hat derjenige zuviel gegessen, der 50 Kilogramm in den letzten 5 Jahren zugenommen hat. Oder andersherum gesagt: Wenn der besagte extrem dicke Mensch stets nur diesen dünnen Streifen von jeder Pizza weggelegt und nicht gegessen hätte, wäre er nicht dick, sondern hätte weiterhin seine Traumfigur. Das kann nicht schwer sein!

Ich weiß, diese Aussage ist nicht besonders wissenschaftlich, denn mit steigendem Körpergewicht steigt ja auch der Kalorienverbrauch usw. Wir wollen aber keine wissenschaftliche Arbeit verfassen, sondern mehr über Gewichtsreduktion, Diäten und Abnehmen erfahren! Also weiter im Text:

So oder so sind fast alle Menschen, sowohl die schlanken als auch die wahnsinnig dicken, sehr nahe an dieser Grenze zwischen Zunehmen und Abnehmen. Sowohl Abnehmen als auch Zunehmen sind langwierige Prozesse.

Das heißt aber auch, wenn jemand momentan 10 Kilogramm pro Jahr zunimmt, was ja wie gesagt eher eine massive Gewichtszunahme ist, reicht es aus, wenn er seine Kalorienaufnahme um ein paar Prozent, also nur geringfügig reduziert, um dieser massiven Gewichtszunahme entgegenzuwirken.

Wie reduzieren wir die Kalorienaufnahme?

Nach dem selben System, nach dem wir bei 5% Zuviel-Kalorien langsam zunehmen, nehmen wir bei 5% Zuwenig-Kalorien langsam ab. Oder: Zwischen langsam zunehmen und langsam abnehmen, liegen 10% Kalorienreduktion.

Da wir mit abnehmenden Körpergewicht weniger Grundumsatz haben, könnten 10% Reduktion zu knapp sein. Daher ist es nicht verkehrt, einen Puffer einzubauen. Nehmen wir also einfach einmal an, unser Ziel ist, 20% weniger Kalorien zu uns zu nehmen. Ich sage damit nicht, dass wir weniger essen wollen. Essen ist etwas Schönes, und kein Mensch kann ohne Essen leben. Warum sollten wir unser Leben entreichern und Verzicht üben?

Der Trick ist: Wir müssen nicht 20% weniger essen, um 20% weniger Kalorien aufzunehmen. Wir müssen nur gelegentlich darauf achten, von den guten Sachen mehr zu essen. Dann essen wir automatisch von den schlechten Sachen weniger.

Und wenn wir uns darüberhinaus ein wenig mit mit der Thematik „Essen“ beschäftigen, können wir mit ein wenig Zeiteinsatz leckerere Speisen zu uns nehmen als vorher, und noch dazu abnehmen. Klingt das nicht verlockend?

Beispiel: Eine dünne Fertigpizza aus dem Kühlregal hat 1.100 Kalorien und macht nicht wirklich satt. Eine selbstgemachte dicke Pizza, reichhaltig belegt und mit gesünderen, frischeren Zutaten und in lecker, kann man auch mit nur 600 Kalorien herstellen.

So kann man spielend leicht 20% einsparen, und nimmt ab, ohne zu hungern und ohne auf die Lieblingsspeisen zu verzichten. Im Gegenteil: Wir können mehr leckere Sachen essen.

Stelle Dir eine Pizza vor, die Du in 4 Viertel schneidest. Jetzt entfernst Du eines der Viertel und ersetzt es mit einem großen Haufen frischer Zutaten, zum Beispiel Deinem Lieblingsgemüse.

mehr frisches

Das wird Dir nicht schwerfallen.

Und plötzlich hast Du - ganz ohne Verzicht - 20% weniger Kalorienaufnahme, bei einer größeren Menge an Essen und einem stärkeren Sattheitsgefühl.

Abnehmen bedeutet also nicht: Hungern.

Es bedeutet noch nicht einmal, weniger zu essen.

Es bedeutet nur eine leichte Verschiebung dessen, was wir essen.

Weniger essen = Diät?

Die meisten Abnehmdiäten und Schlankheitskuren setzen an einem Punkt an, der grundlegend falsch ist. Ich halte es sogar für wahrscheinlich, dass manche Zeitschriften und Ratgeber davon leben, dass die darin vorgeschlagenen Diäten nicht funktionieren.

Denn nur wenn die vorgeschlagene Diät nicht funktioniert, kann im nächsten Monat mit einem neuen Diätvorschlag die Zeitschrift oder der Ratgeber erneut an den Mann und an die Frau gebracht werden.

Um es mal mit etwas zu vergleichen, das weniger emotional ist:

Du kaufst Dir ein gebrauchtes Auto bei einem Gebrauchtwagenhändler. Nach einer Woche bleibt der Wagen stehen und kann nicht repariert werden.

Gehst Du zum selben Gebrauchtwagenhändler und kaufst ihm das nächste Auto ab?

Angenommen, der selbe Gebrauchtwagenhändler empfiehlt Dir plötzlich ein anderes Modell und argumentiert mit zahlreichen neuen Vorteilen. Kaufst Du ihm das neu empfohlene Modell ab?

Angenommen, der Händler behauptet, Du hättest das Auto wohl falsch bedient, oder Dir fehle die Willenskraft, am Zielort anzukommen, hörst Du noch auf ihn?

Du erkennst, wie geschickt hier Leute emotional eingefangen werden, damit sie das zwölfte Auto beim gleichen Händler kaufen, nachdem die ersten 11 empfohlenen Modelle allesamt unterm Hintern zusammengekracht sind.

Das Problem mit den Diäten ist, dass die Leute denken, wenn eine Diät nicht funktioniert, dann läge es an ihnen selbst, und nicht an der Diät. Dabei geht es gar nicht um Schuld, mangelnder Ehrgeiz oder mangelnde Selbstdisziplin. Sondern es geht darum, einen Weg zu finden, um nachhaltig das Idealgewicht zu halten.

Wenn elf verschiedene Diäten nicht funktioniert haben, warum sollte die zwölfte plötzlich funktionieren?

Was ist eine Diät?

Bei einer Diät verzichtest Du für eine kurze Zeit auf etwas Schönes, nämlich auf das Essen. Das erfordert Willensstärke.

Durch das Verzichten erscheint logischerweise das, worauf man verzichtet hat, als wertvoller. Nach der Diät schlägt der Jojo-Effekt zu. Denn jetzt endlich muss nicht mehr verzichtet werden auf das, was mittlerweile noch viel wertvoller erscheint als vorher. Die wenigsten Menschen können Willensstärke jederzeit aufbringen. Jeder hat einen schwachen Moment!

Daher brauchst Du auch nicht denken, es läge an Dir, weil die Diät nicht auf Dauer bei Dir funktioniert. Ich behaupte: Wer mit einer Diät abgenommen hat, hat trotz Diät abgenommen, und nicht wegen ihr!

Zu Hungern ist wie mit viel Kraft eine schwere Kugel den Berg hochzuschieben. Irgendwann bist Du unachtsam oder schwach und lässt diese Kugel wieder los und sie saust den Berg wieder herunter. Mit einer Diät langfristig abzunehmen, kann nach meiner Meinung nicht funktionieren. Wer Dir das doch weismachen will, will Dir in Wirklichkeit nur etwas verkaufen.

Um abzunehmen, musst Du grundlegend etwas verändern.

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